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Forschung

Fortpflanzungserfolg, Verwandtschaftsbeziehungen und Verwandtenselektion beim Wildschwein, Sus scrofa

 

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Hintergrund
Die gängige Annahme, dass Wildschweinrotten sich ausschließlich aus nahe verwandten Individuen zusammensetzen, basiert auf der Beobachtung, dass männliche Tiere mit Erreichen der Geschlechtsreife die Rotte verlassen, während weibliche Tiere in der Rotte verbleiben. 

Selbst wenn alle Adulten einer Wildschweinrotte sich ausschließlich aus den weiblichen Nachkommen einer Ursprungsmutter und deren direkten Nachkommen rekrutieren, so ist es doch unwahrscheinlich, dass alle von dem selben genetischen Vater abstammen, auch wenn dies in seltenen Fällen auftreten kann. Viel häufiger und wahrscheinlicher dürfte es sein, dass sie Nachkommen verschiedener Väter sind. So werden sich schon nach wenigen Generationen, je nach Anzahl genetischer Väter und Häufigkeit deren Auftretens, unterschiedliche Verwandtschaftslinien innerhalb einer Gruppe direkter Nachkommen einstellen. Wie viele männliche Tiere beim Wildschwein an der Reproduktion beteiligt sind, ist bislang ebenso wenig bekannt, wie deren durchschnittlicher Fortpflanzungserfolg oder die Lebenszeitspanne, in der sie am Reproduktionsgeschehen teilhaben.

Auch die Frage, in welchem Maße einzelne weibliche Individuen oder Gruppen zum Reproduktionserfolg beitragen und ob es einen Zusammenhang zwischen dem Verwandtschaftsgrad und dem Reproduktionserfolg gibt, ist bislang unbeantwortet.

Genotypisierungen mittels Mikrosatelliten sind ein geeignetes Verfahren um die Identität eines Tieres zu bestimmen. Sie werden in großem Umfang in der Tierzucht und erfolgreich bei verschiedenen Artenschutzprojekten eingesetzt. Mit Hilfe geeigneter Algorithmen lassen sich coputergestützt aus einer großen Menge genotypisierter, unbekannter Individuen Elternschaften zuordnen und Verwandtschaftswahrscheinlichkeiten berechnen. Diese Verfahren ermöglichen es, die Verwandtschaftsverhältnisse einer Population zu analysieren und den individuellen Reproduktionserfolg einzelner Tiere zu bestimmen.

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Gegenwärtige Arbeiten:
Die Studie wird in Kooperation mit der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft (FAWF) des Landes Rheinland-Pfalz und der Universität Koblenz-Landau, Institut für Umweltwissenschaften im Wildforschungsgebiet Pfälzer-Wald (FoA Hinterweidenthal) durchgeführt. 

Mittels Mikrosatellitenanalysen wird die genetische Identität aller im Wildforschungsgebiet bei der Jagd zur Strecke gekommener oder verunfallter Tiere durch die Entnahme einer Gewebeprobe festgestellt. Weitere biometrischen Daten wie Altersklasse, Größe, Gewicht, Geschlecht, besondere Merkmale sowie der Ort der Erlegung, werden als zusätzliche Information aufgenommen.

Ziele
Folgende Fragen stehen zur Zeit im Mittelpunkt des Interesses:

· Welche Individuen tragen zur Reproduktion bei?
Gibt es einzelne Tiere, die im besondern Maße zum Reproduktionsgeschehen beitragen (z. B. alte Keiler oder einzelne Bachen) und in welchem Maße sind Jungtiere selber bereits Elter?

· Welchen Zusammenhang gibt es zwischen dem Verwandtschaftsgrad und dem Reproduktionserfolg?
Gibt es Hinweise auf Bevorzugung oder Vermeidung von Verpaarungen Verwandter, wenn eventuell immer wieder die gleichen Elterntiere Nachkommen zeugen, z. B. wenn es nur wenige Väter, sprich alte Keiler, in der Population gibt?

· Welchen Einfluss hat die Jagdausübung auf die Population?
Wie groß ist der Anteil der Population, der nicht durch die Jagd zur Strecke kommt und welchen Einfluss hat dies auf die Populationsstruktur? Durch Mikrosatellitenanalysen lässt sich feststellen, welche parentalen Genotypen fehlen und somit durch die Jagd nicht erfasst werden konnten. Fraglich ist, ob dadurch eine Verschiebung in den Allelfrequenzen verursacht wird, was eventuell durch die Gruppe der schwer zu bejagenden älteren Keiler hervorgerufen werden könnte.


 

 

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