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Ernst Josef Kullmann

 Ernst Josef Kullmann (* 13.06.1931 – † 06.05.1996)

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Ernst Kullmann war als viertes und jüngstes Kind von Ignatz Kullmann und seiner Ehefrau Maria in dem niederrheinischenStädtchen Schneppenbaum im Kreis Kleve zur Welt gekommen. Dort leitete sein Vater die örtliche Volksschule. Ernst Kullmann wurde in schwierige Zeitläufe hineingeboren. Er gehörte jener Generation an, die man um ihre Jugend betrogen hatte. Zu Kriegsbeginn war er 8 Jahre alt; als er gerade 12 Jahre geworden, fiel sein älterer Bruder, und im 14. Lebensjahr verlor er den Vater. Dieser, von den amerikanischen Militärbehörden als Bürgermeister für das Amtsstädtchen Bedburg vorgesehen, kam auf dem Weg von seiner Schule in die Bürgermeisterei zusammen mit einem amerikanischen Offizier durch eine deutsche Mine ums Leben. Ernst Kullmann verlor mit dem Vater die prägende Persönlichkeit, die sein naturkundliches Interesse geweckt hatte.

Seine Hochschulreife hatte Ernst Kullmann, kriegsbedingt, erst 1952 am staatlichen humanistischen Gymnasium zu Kleve erworben. Vom Sommersemester 1952 bis zum Wintersemester 1955 folgte das Studium der Medizin und Anatomie an der Universität Bonn. Als mit dem Neuaufbau des Zoologischen Instituts im Poppelsdorfer Schloß das Studium der Zoologie in Bonn wieder in vollem Umfang möglich war, wurden die Professoren der Zoologie Rolf Danneel, Rudolf Lehmensick und Hermann Wurmbach die akademischen Lehrer, die Ernst Kullmanns weiteren akademischen Weg stark mitbestimmen sollten. Die außerordentliche Begabung dieses jungen Zoologen wurde schon früh deutlich und öffentlich dadurch bestätigt, daß er seit seinem 4. Semester bis zu seiner Promotion von der Studienstiftung des Deutschen Volkes gefördert wurde. Mit seiner Dissertation "Zur Biologie von Cyrtophora citricola FORSKAL (Araneae, Araneidae) [zugleich ein Beitrag zur Phylogenie der Radnetzspinnen]", die er bei dem Bonner Parasitologen Rudolf Lehmensick anfertigte , betrat Ernst Kullmann das Forschungsfeld, das er trotz vielfältiger anderer wissenschaftlicher Beschäftigungen in seinem Forscherleben nicht mehr verlassen sollte. Nach seiner Promotion zum Dr. rer. nat. am 04.07.1957 war er bis zum Wintersemester 1960/61 Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft und wurde im März 1961 wissenschaftlicher Assistent bei Rudolf Lehmensick an der Parasitologischen Abteilung des Zoologischen Instituts der Universität Bonn. Auch in seinem wissenschaftlichen Werdegang findet die außerordentliche Begabung von Ernst Kullmann ihren Niederschlag. Bereits im Januar 1963 erfolgte seine Habilitation in den Fächern Zoologie und Parasitologie. Im März 1964 wurde er zum Universitätsdozenten, im November 1968 zum außerplanmäßigen Professor und im August 1970 zum Wissenschaftlichen Rat und Professor an der Universität Bonn ernannt.

Obgleich Ernst Kullmann zu Beginn seines wissenschaftlichen Werdegangs den Eindruck hoher Ortstreue vermittelt, wissen enge Freunde auch um seine Unruhe. So kam ihm die Partnerschaft zwischen den Universitäten Bonn und Kabul/Afghanistan sehr entgegen. Von 1962 bis 1966 war Ernst Kullmann als Zoologe und Parasitologe Mitglied der deutschen Forschergruppe an der Faculty of Science der Universität Kabul. In Afghanistan konnte er auch der Jagd nachgehen. So schuf er selbst einen Grundstock an einheimischen Tieren für ein Zoologisches Museum an der Universität von Kabul. Zugleich war er auch wesentlich an der Einrichtung eines Zoologischen Gartens in Kabul beteiligt. All' seine wissenschaftlichen Arbeiten verband er mit ausgedehnten Reisen, die ihn in viele süd- und süd-ost-europäische Länder führten, aber auch in die Tropen, so u. a. nach Indonesien, Madagaskar, Kolumbien, Paraguay und Costa Rica.

In seiner Bonner Zeit ist Ernst Kullmann durch seine umfangreichen arachnologischen Arbeiten bekannt geworden. Vor allem standen Untersuchungen zur Biologie, zum Verhalten, zum Netzbau, zur Sozialität und zur Phylogenie von Spinnen im Vordergrund seines wissenschaftlichen Interesses. Inzwischen war der Würzburger Zoologe Werner Kloft als Nachfolger von Rudolf Lehmensick nach Bonn berufen worden und hatte das von seinem Vorgänger geplante und gebaute Parasitologische Institut als Institut für Angewandte Zoologie übernommen. Von Werner Kloft hatte Ernst Kullmann die Tracertechnik erlernt und auf seine Fragestellung angewandt. So war es ihm gelungen, die Regurgitationsfütterung als wesentliches Element der Brutfürsorge bei den Haubennetzspinnen nachzuweisen.

Während seiner Zeit in Afghanistan hat sich Ernst Kullmann stärker mit parasitologischen Fragestellungen beschäftigt und wichtige epidemiologische Probleme, wie die Trichinellosis und Echinococcosis, bearbeitet.

Im Jahre 1972 erhielt Ernst Kullmann einen ehrenvollen Ruf an die Universität Kiel und übernahm den Lehrstuhl für Allgemeine Zoologie Adolf Remanes. In den drei Jahren, die er in Kiel verbrachte, hat er eine arachnologische und parasitologische Arbeitsgruppe aufgebaut. In seine Kieler Zeit fällt auch die fruchtbare Zusammenarbeit mit dem bekannten Journalisten Horst Stern und dem einfühlsamen Kameramann Kurt Hirschel. Diese drei so verschiedenen Persönlichkeiten schufen zwei Filme von einzigartiger Bedeutung. Mit diesen Filmen gelang es, "Das Leben am seiden Faden" einem breiten Publikum auf eindrucksvolle Weise nahe zu bringen. Nicht minder erfolgreich war das diesen Filmen folgende Buch "Leben am seidenen Faden. Die rätselhafte Welt der Spinnen", das Ernst Kullmann zusammen mit Horst Stern 1975 der Öffentlichkeit vorlegen konnte. Bei dieser symbiotischen und äußerst erfolgreichen Zusammenarbeit eines Wissenschaftlers mit zwei Meistern aus der Welt der Medien kamen Ernst Kullmann seine Fähigkeiten in der Fotografie und seine Erfahrung zugute, die er schon bei früheren Filmarbeiten im Institut für den wissenschaftlichen Film in Göttingen sammeln konnte.

Der Wechsel von einem Lehrstuhl für Zoologie in den Vorstand der AG Zoologischer Garten Köln mag auch als Ausdruck einer gewissen Unruhe gedeutet werden. Dieser Wechsel belegt, auf welch' verschiedenen Ebenen Ernst Kullmann sich von der Mannigfaltigkeit der Tiere herausfordern ließ. Im Juli 1975 hatte Ernst Kullmann die Leitung des Kölner Zoos übernommen. Seine Zooarbeit war durch sein Bestreben geprägt, eine möglichst artgerechte Unterbringung und Haltung der Tiere im Zoo zu erreichen. Die Außenanlage des Lemurengeheges des Kölner Zoos ist dafür ein vorbildliches Beispiel.

Nach sechs Jahren Arbeit im Zoo schied Ernst Kullmann aus der Leitung des Kölner Zoos aus, um sich fortan gänzlich seinen zahlreichen spezifischen Interessen zu widmen. Von reger Reisetätigkeit zeugen seine zahlreichen allgemeinverständlichen Aufsätze und Beiträge. Von seiner letzten Reise im Februar und März 1996 nach Costa Rica, von der er schwer krank zurückgekehrt war, konnte er sich nicht erholen. Er starb am 6. Mai 1996.

Klaus Peter Sauer, Bonn
 

 

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